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Verlegt!

Filthy Friends


Mo 27

Mai

2019

Einlass: 19:00

Beginn: 20:00

+++Das Konzert wurde ins Musik und Frieden verlegt+++

Mit Rockbands und ihren Mitgliedern ist es ein bisschen wie mit der modernen Gesellschaft: Wohin nur mit den Alten? Denn stellen wir uns einmal kurz vor, wir wären ein Vollblut-Musiker, der vor langer Zeit das Glück hatte, bereits mit einer frühen, vielleicht sogar seiner ersten Band gleich viel Aufmerksamkeit zu erfahren, eine eigene Handschrift zu entwickeln und dabei womöglich sogar den Nerv einer ganzen Generation zu treffen. Um in der Folge mit ebendieser einen Band gleich mehrere Jahrzehnte durchzustehen, dabei viel Erfolg zu haben und vielleicht sogar zu einem Star oder gar lebenden Legende aufzusteigen. So schön und aufregend und grenzenlos das alles war, es bleibt die Frage: Was kommt danach? Kommt da überhaupt noch was? Oder hat man, wenn es diese Band dann irgendwann nicht mehr gibt, als Künstler schlicht alles gesagt und getan, was man zu bieten hatte? Antworten auf solche Fragen lassen sich etwa in den unzählbaren Comebacks und Reunions von Rockgrößen aus vergangenen Jahrzehnten finden, wenn die betroffenen Musiker realisieren: Es geht halt nicht ohne. Andere wiederum ziehen sich nach ein paar Dutzend Welttourneen im Scheinwerferlicht ganz in sich zurück und suchen nach ihrem Johnny Cash-Gen, mit dem sie spartanisch instrumentierte, altersweise Spätwerke zu formulieren hoffen. Wieder andere hängen ihr Instrument ganz an den Nagel und werden Roman-Autor, Weltreisender oder, so ein prominenter Fall, international prämierter Kürbiszüchter. Auch die Mitglieder der, so schien es lange, womöglich niemals auserzählten und aufgebenden Collegerock-Indie-Institution R.E.M. taten sich schwer mit den Gedanken an ein Danach und ließen sich viel Zeit mit dem erklärten Ende. Und doch beschritt ihr Gitarrist Peter Buck, nachdem das R.E.M.-Aus einmal beschlossen war, seinen ganz eigenen Weg in eine neue Phase künstlerischer Dringlichkeit und kompositorischer Extravaganz – und tat etwas sehr Seltenes und dabei eigentlich so Naheliegendes: Er suchte sich eine Handvoll Gleichgesinnte, mithin Musiker mit einer ähnlichen Laufbahn und großen rockmusikalischen Historie und gründete mit ihnen eine neue Supergroup, deren erklärtes künstlerisches Ziel darin besteht, dass jeder Musiker vor allem das machen kann und darf, was in den anderen Bands davor nie möglich oder gewünscht war – was auch immer darunter konkret zu verstehen ist. Auf diese Weise entstanden 2014 die Filthy Friends, eine Art intuitives, freies Kunst- und Musikprojekt für abgeklärte und mit allen Wassern gewaschene Rock-Senioren. Neben Buck und der zweiten Band-Spitze, der ehemaligen Sleater-Kinney-Frontfrau Corin Tucker, fanden sich in der Filthy Friends-Zentrale in Portland schon bei den ersten Proben ehemalige Musiker von King Crimson, The Minus 5, Ministry, Nirvana, den Fastbacks und vielen weiteren ein; manche blieben, andere gingen wieder, nach und nach manifestierte sich ein festes Line-Up. Welches aus einer spontanen Lust heraus aus Filthy Friends zunächst mal eine Art David Bowie-Cover-Band formte und dessen umfangreiches Werk im Rahmen ausgewählter Konzerte immer wieder neu interpretierte. Erst knapp ein Jahr nach ihrer Formierung erschien der erste originär von ihnen komponierte und aufgenommene Song „Despierta“: ein geradezu frontaler Aufruf zum politischen Boykott von Donald Trump und seiner Politik. Seither geht es bei den Filthy Friends ebenso konstant wie erratisch weiter: Ob direkte Rock-Granate oder verkünstelte Gniedelei, ob deutliche politische Positionierung, pathetische Roxy Music-Parodie oder auch mal dadaistischer Blödsinn, gegossen in ein paar Akkorde: erlaubt ist, was ihnen gefällt. Und nicht nur ihnen, wie sich angesichts des großen Erfolgs ihres 2017 veröffentlichten Debütalbums „Invitation“ in den Kreisen gut informierter Rockmusik-Nerds beweist. Zu Recht, denn tatsächlich hat man lebende Legenden des Rock im Herbst ihrer Karriere nur selten derart befreit, unbefangen und mutwillig eigen aufspielen sehen. Entsprechend groß ist bereits die allgemeine Vorfreude auf das für den 3. Mai angekündigte zweite Album „Emerald Valley“.